Träumen vom Leben am Meer
Wenn man mal Meer will, gibt es eigentlich kaum eine Alternative, die dem Gefühl gleicht, wenn man dort ankommt. Das Rauschen der Wellen, der stärker werdende Wind in den Haaren (soweit man welche hat), das Gekreische der Möwen und der Duft von kalten Erfrischungsgetränken serviert mit Fast Food oder Salat, kurz bevor man den Strand erreicht. Kein See, kein Fluss mit Strand kommt dem Gefühl, dem Geruch oder der Schönheit gleich, die man als Wasserliebhaber an einem sonnigen Tag am Meer genießen kann. Und kennt ihr ihn nicht auch? Den Traum, irgendwann am Meer zu leben? Ich für meinen Teil habe das schon lange für mich entschieden. Irgendwann werde ich am Meer wohnen.
Nicht in einer Villa mit Infinity-Pool und auch nicht in einem Apartmentkomplex mit Tiefgarage und Concierge-Service. Nein. Mein Traum ist deutlich einfacher und dadurch wesentlich anziehender für mich: Eine kleine Hütte irgendwo zwischen Meer und Bergen, am besten bewaldet, damit ich schwimmen oder auch wandern kann, wann immer ich will. Genug Land, um einen Teil unserer Nahrung selbst anzubauen, und dafür natürlich ein Garten mit Hühnerställen, vielleicht ein paar Schafe und eine Hundehütte, Hund inklusive. Meine Familie beobachte ich von einem Schreibtisch am Fenster aus, auf dem eine alte Schreibmaschine steht und während draußen die Wellen an den Strand rollen, schreibe ich Artikel für die Heritage Post oder arbeite an meinem nächsten Buch. Die Sonne steht tief, das Weinglas ist halbvoll und die Luft riecht nach Salz und Feigenbäumen. Es ist ein schöner Traum, und ich bin mir ziemlich sicher, dass ich damit nicht allein bin. Denn der Traum vom Leben am Meer begleitet die Menschheit vermutlich schon so lange, wie wir Geschichten am Lagerfeuer erzählen. Warum also zieht uns das Meer so magisch an? Vielleicht liegt es daran, dass die Meere und Ozeane größer sind als alles, was wir uns vorstellen und begreifen können. Wer einmal an einer Steilküste stand und auf den Horizont hinausgeblickt hat, kennt dieses Gefühl. Dort draußen scheint die Welt plötzlich grenzenlos zu werden, keine Häuser mehr, nichtmal Wolkenkratzer, keine Straßen, keine Termine, nur du, das Wasser, die Sonne und der Wind. Wobei da doch immer noch etwas anderes mitschwingt, ein Gefühl, dass man nicht so richtig beschreiben kann, weil es erstmal keinen Sinn ergibt. Eine seltsame Vertrautheit zu diesen tosenden Unendlichkeiten, ein Drang nach Freiheit und Verbundenheit zu etwas, was längst verloren schien. Wissenschaftler sprechen immer wieder von einer tiefen emotionalen Verbindung des Menschen zu Gewässern und Küstenregionen, Studien zeigen, dass Menschen sich an Küsten oft wohler fühlen, weniger Stress empfinden und eine stärkere Verbundenheit mit ihrer Umwelt entwickeln. Forscher beschäftigen sich seit Jahren mit den positiven Auswirkungen sogenannter „Blue Spaces“, also Landschaften mit viel Wasser. Küstenregionen werden dabei immer wieder mit höherem Wohlbefinden, geringerer psychischer Belastung und einem stärkeren Gefühl von Ausgeglichenheit in Verbindung gebracht. Schon der Blick auf Wasser kann beruhigend wirken. Das Meer verlangt ja auch nichts von uns, es beantwortet keine E-Mails, es stellt keine Rechnungen, es diskutiert nicht über Politik. Es ist einfach da. Welle für Welle. Tag für Tag. Jahr für Jahr. Das Meer oder zumindest das Fehlen von Asphalt und Beton scheint etwas in uns anzusprechen, das älter ist als jede moderne Zivilisation. Vermutlich, weil unser Ursprung ja tatsächlich genau hier liegt. Wie allgemein bekannt entstand alles Leben auf diesem Planeten vor Millionen von Jahren genau hier, im Meer. Lange bevor die ersten Wälder in den Himmel ragten, bevor Dinosaurier über die Erde liefen oder Menschen ihre ersten Steinkeulen bauten, existierten die Ozeane bereits. Und genau hier begann die Geschichte des Lebens, unsere Geschichte. Vielleicht spüren wir deshalb noch heute eine tiefe Verbundenheit zu dieser gewaltigen, unter Milliarden Tonnen Wasser begrabenen Welt.
Das Meer löst bei den meisten von uns allerdings nicht nur Geborgenheit aus. Es macht uns Angst, eine tiefe, verborgene Angst, die wir so an Land versammelt gar nicht mehr wahrnehmen. Und genau diese Mischung macht meiner Meinung nach auch den Reiz, das Verlangen nach Meer aus. An einem ruhigen Sommertag wirkt die Ostsee friedlich, fast wie ein großer See. Doch wer einmal einen Sturm an der Nordsee erlebt hat, versteht sofort, warum Generationen von Seefahrern Geschichten über Meeresungeheuer, Geisterschiffe und unergründliche Tiefen erfanden, um sich diese Naturgewalten zu erklären. Die Ozeane bedecken über siebzig Prozent unseres Planeten, und noch immer wissen wir erstaunlich wenig über die Tiefen unter uns. Dennoch wird diese Sehnsucht immer wieder auch lyrisch aufgegriffen, wie erst kürzlich vom deutschen Künstler OG Keemo in seinem Song Mehr: ‚‚Der Planet ist 30% Land, doch ich brauche mehr”. Dort unten herrscht tiefste Dunkelheit, ein Druck der uns in Sekunden zerquetschen würde und eine Welt, die für uns komplett fremd ist. Paradox wie es aufgrund der Formulierung erscheinen mag, aber das Meer ‚‚grounded” uns, es erinnert uns daran, wie klein wir eigentlich sind und gleichzeitig daran, wie groß die Welt da draußen noch immer ist.
Fangen wir also am besten vor der Haustür an. In Deutschland denken wir bei Meer zuerst an die Nord- und an die Ostsee. Die Nordsee ist rau, windig und ehrlich. Hier bestimmen die Gezeiten den Rhythmus des Lebens. Das Watt verändert täglich die Landschaft. Fischerboote gehören ebenso zum Bild wie Leuchttürme in allen Farben und Möwen, die unsere Pommes klauen. Die Ostsee, international Baltic Sea oder Baltische See genannt, wirkt dagegen oft ruhiger und sanfter. Ihre langen Sandstrände und die geschützten Buchten machen sie zu einem Sehnsuchtsort für Millionen Urlauber aus aller Welt. Weiter südlich wartet das Mittelmeer, für viele Deutsche ist es das Meer der Kindheitserinnerungen. Italien, Griechenland, Frankreich, Spanien oder Kroatien, kaum ein Gewässer ist für uns Europäer so eng mit Urlaub, Sonne und Lebensfreude verbunden. Dann gibt es noch das Schwarze Meer, das seit Jahrtausenden als bedeutende Handelsroute zwischen Europa und Asien gilt, und das Kaspische Meer, das trotz seines Namens eigentlich der größte See der Erde ist. Es ist berühmt für seine gewaltigen Fischbestände, insbesondere den Stör, aus dem traditionell Kaviar gewonnen wird. Wie wir Menschen hat also auch jedes Meer seinen eigenen Charakter. Doch wie lebt es sich am Meer, so ganz grundsätzlich? Wer regelmäßig Zeit am Meer verbringt weiß, dass es definitiv anders ist als im Landinneren. Die Luft riecht und schmeckt anders, man atmet tiefer und klarer, die Atemwege und Gedanken scheinen freier zu sein und der Wind trägt feine Salzkristalle mit sich.
Fangen wir also am besten vor der Haustür an. In Deutschland denken wir bei Meer zuerst an die Nord- und an die Ostsee. Die Nordsee ist rau, windig und ehrlich. Hier bestimmen die Gezeiten den Rhythmus des Lebens. Das Watt verändert täglich die Landschaft. Fischerboote gehören ebenso zum Bild wie Leuchttürme in allen Farben und Möwen, die unsere Pommes klauen. Die Ostsee, international Baltic Sea oder Baltische See genannt, wirkt dagegen oft ruhiger und sanfter. Ihre langen Sandstrände und die geschützten Buchten machen sie zu einem Sehnsuchtsort für Millionen Urlauber aus aller Welt. Weiter südlich wartet das Mittelmeer, für viele Deutsche ist es das Meer der Kindheitserinnerungen. Italien, Griechenland, Frankreich, Spanien oder Kroatien, kaum ein Gewässer ist für uns Europäer so eng mit Urlaub, Sonne und Lebensfreude verbunden. Dann gibt es noch das Schwarze Meer, das seit Jahrtausenden als bedeutende Handelsroute zwischen Europa und Asien gilt, und das Kaspische Meer, das trotz seines Namens eigentlich der größte See der Erde ist. Es ist berühmt für seine gewaltigen Fischbestände, insbesondere den Stör, aus dem traditionell Kaviar gewonnen wird. Wie wir Menschen hat also auch jedes Meer seinen eigenen Charakter. Doch wie lebt es sich am Meer, so ganz grundsätzlich? Wer regelmäßig Zeit am Meer verbringt weiß, dass es definitiv anders ist als im Landinneren. Die Luft riecht und schmeckt anders, man atmet tiefer und klarer, die Atemwege und Gedanken scheinen freier zu sein und der Wind trägt feine Salzkristalle mit sich.
Lasst uns also die Menschen am Meer etwas genauer betrachten. Denn was viele vergessen: Das Leben am Meer ist nicht nur Romantik, sondern Gemeinschaft, denn an der Küste zu leben ist genauso hart wie es schön ist. In allen Küstenregionen der Welt mussten Menschen schon immer zusammenarbeiten um sich gegen Stürme, gegen schlechte Fangzeiten, gegen die geballte Kraft der Natur zur Wehr zu setzen. Vermutlich wirken Küstendörfer deshalb oft so lebendig mit ihren kleinen Häfen, den Fischmärkten am Morgen, den alten Männern mit sonnengebräunter Haut und von der See gegerbten Gesichtern, die immer wieder die selbe Bank am Kai besetzen oder den Frauen, die alles und jeden in der Gegend zu kennen scheinen. Sie wirken lebendig, weil sie nah am Ursprung allen Lebens sind – nicht dem Meer, sondern der Gemeinschaft.
Ich glaube der Traum vom Leben am Meer ist mehr, als die Sehnsucht nach der Freiheit da zu leben, wo andere Urlaub machen, sondern die Sehnsucht nach der Erinnerung, wer wir eigentlich sein könnten.